
Wir setzen unsere Interview-Reihe mit Jessica Seaman, Creative Director des Londoner Labels Poppy & Ned, fort. Ihre Antworten auf unsere Fragen geben wieder einmal spannende Einblicke in die vielfältige Welt der Kindermode.
Wie würden Sie den Stil von Poppy & Ned beschreiben?
„Der Stil von Poppy & Ned dreht sich um die wahre Unschuld der Kindheit. Ich habe wunderschöne Erinnerungen an meine Kindheit, wie ich mich im »geheimen Garten« meiner Großmutter herausgeputzt habe, um dann in eine Fantasiewelt hinauszuspazieren, in der ich auf Bäume klettern und eine Prinzessin sein konnte. Aus diesen Erinnerungen schöpfe ich meine Inspirationen, wenn ich Kleidung für Poppy & Ned entwerfe. In meiner Vorstellung sind Kinder am schönsten, wenn sie wie Kinder angezogen sind. Meine ideale Kombination ist ein klassischer Stil mit einem Hauch Moderne.“
Wie würden Sie selbst Ihre aktuelle Kollektion für Frühjahr/Sommer 2011 beschreiben?
„In der Poppy & Ned-Kollektion für die Sommersaison 2011 hat sich an der Marke einiges geändert. Wir haben uns zunächst als Spezialist für luxuriöse Strickwaren einen Namen gemacht. In dieser Saison haben wir den Sprung gewagt und eine vollständige Kollektion entworfen – mit Webstoffen, Seide, feinen Baumwollstoffen und sogar ein wenig Jersey. Es war eine befreiende Erfahrung, mit den feinsten Stoffen arbeiten zu können, die es gibt, und daraus unsere, wie ich finde, bisher beste Kollektion zu entwerfen. »Frisch« ist der Ausdruck, den wir von den Einkäufern bei der Präsentation bei Bubble London ständig hörten. Es war eine fantastische Show. Ich habe die Kollektion Anfang des Jahres während eines Aufenthalts in Australien entworfen. Es gibt nichts besseres, als am Strand zu liegen, um sich Inspirationen für eine wunderbar leichte Frühlings-/Sommerlinie zu holen.“
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
„Mein typischer Arbeitstag fängt geschäftig an, wird dann richtig arbeitsreich und endet in einem Arbeitsrausch! Ich glaube, ich mache niemals Pausen. Ich habe zwei wundervolle kleine Jungs, also bin ich an erster und wichtigster Stelle Mutter. Wir haben zwei Modemarken, eine davon ist Poppy & Ned, die andere ist unsere Damenkollektion Lily Stone London. Es kann ziemlich hektisch werden, alles in Form zu bringen, und natürlich muss man im eigenen Unternehmen rund um die Uhr arbeiten – aber das ist es wirklich wert.“
Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?
„Mein Arbeitsplatz ist ein idyllisches, kleines englisches Dorf. Ich habe wirklich Glück, hier arbeiten zu können, wo es so schön ist und meine Umgebung selbst mir schon viele Inspirationen bietet. Das Dorf ist ziemlich ländlich, es gibt einen Wohltätigkeitsladen und auf der Pferdekoppel laufen Backenhörnchen und Kaninchen herum – es ist wirklich wunderschön.“
Welche Stoffe verwenden Sie am liebsten?
„Wie bereits erwähnt, sind wir als Spezialist für Strickwaren bekannt geworden, deshalb schlägt mein Herz auch für dieses Material, das die Grundlage unseres Unternehmens ist. Kaschmir und Babys passen einfach so wunderbar zusammen, als wären sie füreinander gemacht. Das ideale Garn, um seinen kleinen Schatz einzukleiden, muss wunderschön weich und edel sein. Wir verwenden viele verschiedene Strickgarne, angefangen bei günstigeren Garnen wie Lamm- und Merinowolle bis hin zu erstklassigem Kaschmir, dem Besten vom Besten. Ein kleines bisschen Luxus kann sich jeder leisten, auch bei schmalem Budget. Bis auf die Stücke aus reinem Kaschmir können alle unsere Strickwaren auch in der Maschine gewaschen werden. Sie sind also nicht nur wunderschön, sondern auch noch praktisch – das ist uns besonders wichtig.“
Haben Sie bei der Kreation Ihrer Kollektionen einen bestimmten Typ Kind vor Augen? Wenn ja, wie sieht dieses Kind aus?
„Ich habe beim Entwerfen keine Vorstellung von einem bestimmten Kind im Kopf, ich fange einfach an zu zeichnen. In jeder Saison habe ich zu viele Entwürfe für die Kollektion und muss dann ziemlich rigoros Teile aussortieren. Ich sehe die Schönheit in allen Kindern. Diese Reise zurück zur kindlichen Unschuld hat für mich einen ganz besonderen Zauber. Wenn ich in die Augen eines Kindes sehe, dann ist da dieses Staunen, diese Verwunderung über die Welt um sie herum, und eine ganz einfache Freude kann zum Highlight eines Tages werden.“
Was war das schwierigste Design, das Sie je entworfen haben?
„Beim Entwerfen habe ich festgestellt, dass eine Idee, die sich auf dem Papier schwierig gestaltet, in 9 von 10 Fällen auch als Kleidungsstück nicht funktioniert. Die Kollektionen fliegen mir einfach zu, wenn ich entwerfe, und manchmal weiß ich nicht, wann der richtige Zeitpunkt ist, um einen Schritt zurückzutreten und mich auf meine ursprüngliche Idee für diese Kollektion zu besinnen. Wie viele kreative Menschen neige ich dazu, plötzlich das Thema zu wechseln, und ich muss aufpassen, dass ich meinen ursprünglichen Gedanken und Ideen treu bleibe. Ich habe mir zur Regel gemacht, nicht darauf zu achten, was bei anderen Marken geschieht, um so unsere Originalität und Exklusivität zu bewahren, die wir uns so hart erarbeitet haben. Ich möchte nicht einmal unterbewusst die Entwürfe anderer Designer im Kopf haben, weil das meine eigene Kollektion beeinflussen würde. Es ist mir sehr wichtig, dass Poppy & Ned sich selbst treu bleibt.“
Welche Rolle spielen Modemessen für Sie? Welche Messen sind am wichtigsten und effektivsten?
„Fachmessen sind für uns die wichtigste Gelegenheit, mit den Einkäufern in Kontakt zu kommen. Wir präsentieren jede Saison einmal bei Bubble London und bei der ENK in New York. Es ist die einzige Möglichkeit, alle wichtigen Leute unter einen Hut zu bekommen, auch wenn die Messen immer zu kurz sind, um sich wirklich mit allen zu treffen. Die Messen sind teuer, aber das Geld ist gut angelegt, wenn man ernsthaft daran arbeitet, die Kollektion in den richtigen Geschäften unterzubringen.“
Wie hat sich die Kindermodebranche im Laufe der Zeit in Ihren Augen verändert?
„Wir haben Poppy & Ned im Jahr 2007 gegründet und waren erst Anfang 2008 zum ersten Mal auf einer Messe vertreten. Wir haben uns also in relativ kurzer Zeit sehr gut entwickelt, worauf ich wirklich stolz bin. Es ist offensichtlich, dass Menschen rund um den Globus schwer von der Rezession in diesem Jahr betroffen sind, und wir haben viele Geschäfte gesehen, die aufgrund dessen ihre Türen schließen mussten. Nach der Krise habe ich nun den Eindruck, dass sich die Branche zu unserem Vorteil verändert hat. Die Leute wollen keine Wegwerf-Mode mehr kaufen, das gilt sowohl für Kinder- als auch für Damenmode. Sie möchten Qualität kaufen, besondere Stücke, an denen sie lange Freude haben, und die ihr Geld wert sind. Dieser Trend zeichnet sich für unsere Geschäfte auf der ganzen Welt ab. Zu unserem Glück führt dieser Veränderung im Denken bei uns zu steigenden Absatzzahlen. Ich sehe es auch bei mir selbst. Früher habe ich stapelweise Kleidung bei Topshop gekauft, die nur fünf Minuten hielten, und jetzt möchte ich statt dessen lieber ein qualitativ hochwertiges Teil, das für mehrere Jahre einen Platz in meinem Kleiderschrank finden soll. Poppy & Ned möchte Kindern den kleinen, aber feinen Unterschied bieten, eben etwas Besonderes, das über Generationen weitergegeben werden kann. Und wenn wir damit das unschuldig verspielte Wesen von Kindern fördern können, dann haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben.“

Tags: interview, kindermode marken
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