Die beiden Label Lieblingskaro und MASHAMO:kids der Berliner Designerin Maria Groß haben im Sommer letzten Jahres bereits vorgestellt. Heute folgt das Interview mit Maria Groß.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
„Ich verbinde den Einsatz klassischer Stoffe und Muster (wie Karo oder Pünktchen) mit einem leichten, innovativen Design und modernen Farben. Dabei schaffe ich Produkte, die ich auch selbst kaufen würde. Ich designe also für meine eigene Zielgruppe, würde ich sagen.“

Wie würden Sie selbst Ihre aktuelle Kollektion für Frühjahr/Sommer 2011 beschreiben?
„Für mich als Designerin ist das einer der Vorteile im Geschäftsmodell – bei einem Label wie Lieblingskaro, das für Kinderzimmer-Accessoires und Spielzeug im Karo-Look steht, ändert sich von Saison zu Saison nicht ganz so viel wie beispielsweise bei meinem Kindermode-Label MASHAMO:kids. Das dämpft saisonale Arbeitsspitzen und ermöglicht optimierte Warenbeschaffung und Lagerhaltung. Trotzdem gibt es auch bei Lieblingskaro Neues für den Sommer 2011. Die Highlights: Wir haben Pünktchen-Muster aufgenommen, und zwar in Lila, Rot und Rosa, logischerweise mit Karos kombiniert.“
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
„Mein Atelier ist in unserer Wohnung. Das bedeutet, dass ich’s irgendwie machen muss wie Magritte, um in meinen Arbeitsmodus zu kommen. Morgens gibt’s gemeinsames Frühstück für uns vier, dann fahre ich die Kinder zu Schule und Kita und mittendrin den Papa zu seiner Arbeit.
Dann fahre ich nach Hause, mache mir einen Kaffee und los geht’s. Bestellungen abarbeiten, Musterkollektionen vorbereiten (für MASHAMO:kids), Rechnungen schreiben und verschicken und Buchhaltung machen (meistens abends). Wir machen bei Lieblingskaro alles selber: Fotos, Webseite, Mails, Rechnungen, Schnitte, Nähen, einfach alles. Lieblingskaro ist Handmade in Berlin, kann man sagen.
Eine weitere Regel hat das Atelier in der Wohnung zur Folge: Tagsüber darf ich mich ausbreiten mit meinen Stoffen, Zeichnungen, Schnitten. Aber abends, wenn die Familie wieder in die Wohnung kommt, muss alles wieder im Atelier landen. Die Kerle machen da keine Ausnahme.“
Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?
„Mein Mann würde sagen, viel zu chaotisch. Ich habe ein Atelier von ca. 20 Quadratmetern, was zum Teil auch Lager für Stoffe und einige fertige Produkte ist. Eine Wand ist komplett verglast, mit viel Licht. Gegenüber davon ist das große Regal. An den beiden Stirnseiten stehen Tische mit Näh- und Stickmaschinen. Es gibt dann noch einen großen Kleiderständer für fertige Klamotten, Muster und Schnitte. Und einige Figurinen, an denen ich mir meine Entwürfe direkt am Körper anschaue.
Und gleich nebenan ist unser Wohnzimmer mit Küchenbereich. Da finden die Pausen statt und dort steht auch mein Schreibtisch mit meinem Rechner. Ich arbeite auf Mac OS, weil die Programme dem entsprechen, was ich auch bei Lieblingskaro erreichen will: einfaches, aber wunderschönes Design. Jemand hat mal gesagt, perfekt sei etwas, wenn man nichts mehr weglassen könne. Das ist mein Ziel bei Lieblingskaro – und bei Apple kann ich es bereits erkennen.“
Welche Stoffe verwenden Sie am liebsten?
„Wir haben durchweg hochwertige Baumwolle. Fassen Sie mal verschiedene Sorten Baumwolle an, da gibt es große Unterschiede. Ich mag besonders eine Sorte von Baumwolle, die beim Kontakt kühl bleibt. Genau diese haben wir uns ausgesucht, und zwar im Karo-Muster. Ich will das klassische Karo-Muster neu interpretieren – kombiniert mit anderen Karos, Pünktchen oder einfach Weiß.“
Haben Sie bei der Kreation Ihrer Kollektionen einen bestimmten Typ Kind vor Augen? Wenn ja, wie sieht dieses Kind aus?
„Eigentlich nicht. Wenn ich mir Kinder in meinen Entwürfen vorstelle, dann am ehesten meine eigenen oder die von Bekannten. Ich glaube, die Zielgruppe bestimmt sich eher über die Eltern. Die oder deren Eltern sind es, die unsere Produkte kaufen, und denen muss es gefallen. Erreichen die Kinder ein bestimmtes Alter, dann wollen sie selber ihre Klamotten aussuchen und lassen sich dabei ganz gewaltig von ihrem sozialen Umfeld beeinflussen. Als kleine Marke hat man bei Kindern ab 8-10 Jahren kaum noch eine Chance.“
Was war das schwierigste Design, das Sie je entworfen haben?
„Das hat nichts mit Lieblingskaro zu tun. Es war meine Diplom-Kollektion für Damen-Oberbekleidung, in der ich viel Plissee eingesetzt habe. Ich habe dafür eine Auszeichnung erhalten. Wer sich dafür interessiert, soll sich gerne bei mir melden. Die Designs habe ich noch – und mich quält die Frage, ob man solche Designs mit Erfolg vermarkten kann. Bei meinen beiden Labels passt es derzeit noch nicht rein.“
Welche Rolle spielen Modemessen für Sie? Welche Messen sind am wichtigsten und effektivsten?
„Momentan sind wir dabei, unsere Produktionsabläufe zu professionalisieren, weil wir seit Herbst 2010 sehr viele Neukunden gewonnen haben. Wir überlegen, im September nach Köln zu gehen, auf die Messe Kind + Jugend. Ansonsten bin ich bei Messen oft skeptisch, wegen der sehr hohen Kosten für ein kleines Label wie meins. Ich suche immer wieder nach einem anderen Label, das den Stand mit mir teilt – aber das ist nicht so einfach, weil wir ja keine Wettbewerber sein sollten.“
Wie hat sich die Kindermodebranche im Laufe der Zeit in Ihren Augen verändert?
„Durch die Finanzkrise, die die Bekleidungsbranche mit einem Verzug von 1,5 Jahren erreicht hat, merkt man, dass die Kunden vorsichtiger einkaufen. Ich merke es an leicht sinkenden Bestellungen einiger Boutiquen. Und auch daran, dass andere Boutiquen ganz verschwunden sind.
Ansonsten stelle ich fest, dass die Kunden Wert auf gutes Design und gute Verarbeitung legen und immer öfter bereit sind, dafür auch entsprechend zu zahlen. Die Auswahl ist deutlich vielfältiger als noch vor einigen Jahren.“
www.lieblingskaro.de